Bambi für Michael “Bully” Herbig
Läuft ein Film von und mit Michael “Bully” Herbig an, strömen Millionen ins Kino. Für seinen letzten Erfolg wird er mit dem Bambi 2009 ausgezeichnet. Dabei ist der Filmemacher kein Fan von Preisverleihungen
Filmbälle schaut sich Michael „Bully” Herbig am liebsten im Fernsehen an. Denn andere Menschen zu beobachten, sagt er, sei spannender als selbst beobachtet zu werden.
Trotzdem wird der Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent heute Abend in Potsdam bei der Bambi-Verleihung auf der Bühne stehen. Zum vierten Mal hält er dann das goldene Reh in der Hand.
Der Medienpreis ist für Menschen gedacht, die durch ihre Visionen und Kreativität aufgefallen sind. Der Münchner wird in der Kategorie „Film national” für „Wickie und die starken Männer” ausgezeichnet. Die Begründung der Jury: „Er trifft den Geschmack der Massen, ohne im Mainstream zu ertrinken. Herbig versteht den Markt und seine Wünsche, vergisst aber dabei nicht seine Liebe für detailliert ausgearbeitete Charaktere und sein Gespür für filmreife Stoffe.”
Erfolgreich am Boden geblieben
Michael Herbig weiß, was die Leute wollen, nämlich: unterhalten werden. Und das beherrscht er in Perfektion. Zwölf Millionen sahen den „Schuh des Manitu”, neun Millionen „(T)Raumschiff Surprise” und fast fünf Millionen seinen letzten Film, „Wickie und die starken Männer.”
Bei diesen Zahlen liegt der Gedanke nahe, ob ihm der Erfolg zu Kopf steigt. Doch der 41-Jährige steht nicht nur mit beiden Beinen auf dem Boden, er scheint festgekettet zu sein - unmöglich abzuheben. Wenn er von früher schwärmt, als er pünktlich um 17.10 Uhr vor dem Fernseher saß, um eine neue Wickie-Folge zu sehen, wirkt er wie der kleine Junge von damals.
Film-Entscheidungen nach Gefühl
Der Comedy-Star, der mit der Bully-Parade berühmt wurde, ist kein Clown, der auf Knopfdruck funktioniert. Er ist von Natur aus charmant witzig. Nicht aufgesetzt wie Oliver Pocher, nicht verhöhnend wie Stefan Raab oder angestrengt wie Mario Barth. Bei fast jeder Interviewfrage fallen ihm lustige Anekdoten ein. Warum er Jonas Hämmerle für die Hauptrolle Wickie ausgewählt hat? Jonas hätte die korrekte Antwort auf die Frage nach dem lustigsten Film gegeben: Der Schuh des Manitu.

Michael Herbig als spanischer Reporter Congaz in "Wickie und die starken Männer" © 2009 Constantin Film Verleih GmbH
Herbig verfilmt grundsätzlich nur Geschichten, die ihn selbst faszinieren. „Ich muss mich darin zuhause fühlen, lange bevor ich ans Publikum denke”, sagt er in einem Interview.
Wenn er dann hundertprozentig von einem Projekt überzeugt ist, steckt er sein Herzblut hinein. An Wickie hat er zweieinhalb Jahre gearbeitet. Sich selbst bezeichnet Michael Herbig als Perfektionist. „Soll es wirklich Deinen Vorstellungen entsprechen, dann musst Du alles selber machen. Dafür verzichte ich gerne auf Masse”, stellt er fest. Und Herbig gibt alles, damit seine Vision später auf der Leinwand funktioniert. Seine Filme zählen zu den technisch aufwändigst produzierten in Deutschland.
Nur nicht langweilen
Wenn das Ergebnis dann in die Kommerzschublade wandert, ärgert ihn das keinesfalls. Ganz im Gegenteil, er freut sich, wenn Millionen von Menschen ins Kino gehen, um seine Filme anzuschauen. Wichtig ist ihm, dass sich die Zuschauer nicht langweilen. „Ich habe den Anspruch, gutes unterhaltsames Kino zu machen”, sagt Herbig. Wieder eine dieser bodenständigen Aussagen. Er strebt keine überintelligenten tiefgründigen Arthouse-Produktionen an. Denn er ist überzeugt: „Die Leute wollen sich einfach unterhalten lassen” und fügt dann hinzu „das ist bei mir auch nicht anders.”
Ganz oder gar nicht - dieses Motto gilt auch für sein Privatleben. Und irgendwann mal hat er sich für „gar nicht” entschieden. Nur heute Abend wird er eine Ausnahme machen. Und über den roten Teppich latschen, wie er es augenzwinkernd ausdrückt.
Bambi-Verleihung live, 26.11.09, ARD, 20.15 Uhr
von Theresa Schwab












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