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30 Jahre Media Markt

„Die Kunden sind nicht mehr so geduldig“

26. November 2009, 10:08 745 mal gelesen Keine Kommentare

Ein Großbrand, ungezählte Verkaufsgespräche und ein Preisschild-Marathon: Günther Wellas hat als Verkäufer beim Media Markt viel erlebt. Bei der Eröffnung des ersten Münchner Marktes war er sogar ganz vorne dabei.

Günther Wellas: Er sperrte den ersten Media Markt der Welt auf (Quelle: Media Markt)

Günther Wellas (53): Er sperrte den ersten Media Markt der Welt auf (Quelle: Media Markt)

Brennpunkt München: Herr Wellas, erinnern Sie sich an Ihren ersten Tag bei Media Markt?
Günther Wellas: Es war ein halb verregneter, halb verschneiter Morgen, der Tag der Eröffnung. Samstag, der 24. November 1979. Vor der Tür standen kurz vor acht schon 40, 50 Leute. Viele haben von der Eröffnung aus dem Prospekt mit Walter Sedlmayr erfahren, der hat damals Werbung für uns gemacht. Um kurz vor acht hat mir der Geschäftsführer die Schlüssel in die Hand gedrückt, und um acht Uhr hab ich die Tür aufgemacht. Ich hab den ersten begrüßt, hab gesagt „Guten Morgen, danke für Ihr Vertrauen, Sie sind unser erster Kunde.” Und dann hat er sich gefreut und ist reingegangen. Und die anderen kamen hinterher.

Was war Ihre Aufgabe am Anfang?
Ich war Fachberater für braune Ware, also Hifi und Fernsehen, und ich kann mich noch an eines der Eröffnungsangebote erinnern. Das war ein Fernseher von Gretz, 51 Zentimeter Bilddiagonale, mit acht Stationstasten - obwohls doch damals nur drei Programme gab. Und er hatte eine Ultraschall-Fernbedienung, die bei jedem Schalten gepiepst hat. Gekostet hat er 1099 D-Mark.

Wie lief der erste Tag?
Es war eine tolle Stimmung damals, um 15 Uhr haben wir schon mal Zwischenbilanz gezogen und da schon gesehen: es hat sich gelohnt. Für mich war es damals einfach ein erhabenes, ein irres Gefühl, bei sowas dabei zu sein.

Bildergalerie: So sah’s damals aus im ersten Media Markt

(Quelle: Media Markt)

Haben Sie damals schon die rote Berufskleidung getragen?
Das gabs damals noch nicht. Der Laden war auch braun, nicht rot wie heute. Und wir trugen alle nur ein Namensschild. Eine Funktion stand da gar nicht drauf, wir waren eine große Familie.

Wie haben sich die Kunden seitdem verändert?
Viele Kunden sind nicht mehr so geduldig wie früher. Aber ich verstehe das. Wenn da Dutzende Leute stehen, dann hat einer das Gefühl, er versäumt was. Und was noch passiert ist, die Kunden, das meine ich positiv, haben viel mehr Fachkenntnis als früher. Vor 30 Jahren hat es eine halbe Stunde gedauert, bis ich jemandem ein Tischradio verkauft habe. Heute schauen die Leute im Internet und in Zeitungen, vergleichen und informieren sich, da kann ich in einer halben Stunde drei oder vier Artikel verkaufen. Wir sind aber trotzdem noch wichtig, denn es steht ja nirgends, wie zuverlässig die Geräte sind, ob wir sie noch lieferbar haben. Wir wollen einfach Sicherheit geben.

Wer war ihr schwierigster Kunde?
Das kann ich so nicht sagen. Es sind auch nicht schwierige Kunden, ich sag, die sind eine Herausforderung, die wir gerne annehmen. Es gibt Menschen, die sind sehr unschlüssig, die kommen 30, 40 Mal, bis sie sich für einen Digitalwecker entscheiden. Und natürlich haben wir auch schon den ein oder anderen Betrunkenen gehabt, aber das sind Ausnahmen, schließlich haben wir pro Tag mehr als 1000 Kunden.

Wie ging es weiter mit Ihrem Media Markt?
Das schlimmste Erlebnis war der Brand, ich erinnere mich noch genau, es war der 16. August 1986. Ich hatte meinen letzten Tag Urlaub und geh an den Briefkasten, dann steht in der Zeitung, der Media Markt in Freimann ist abgebrannt. Keiner weiß, war es ein Kurzschluss, war es Brandstiftung? Bis heute wissen wir es nicht. Am nächsten Tag bin ich hingefahren, es roch nach Ruß und Rauch. Alle Kollegen waren da, alle waren traurig, wir haben kaum geredet, es war eine Grabesstimmung. Aber dann haben wir uns aufgerafft und den Laden wieder aufgebaut, haben wochenlang gearbeitet. Und als der Laden wieder stand, kamen mehr Kunden als jemals zuvor. Nach dem Brand kannte wirklich jeder den Media Markt.

Wie ging es für Sie persönlich weiter?
Ich war dann Abteilungsleiter, schließlich Teamleiter und hatte noch eine ganz besondere Aufgabe: Wenn ein Laden neu eröffnet wurde, dann hab ich die Preisschilder geschrieben. Die Leute sagen, ich habe eine besonders schöne Schrift. Und da das damals noch alles per Hand ging, hab ich bei einer Ladeneröffnung 4000 bis 5000 Preisschilder geschrieben, das dauert so drei Tage, jeweils zwölf Stunden.

Und wie siehts in 30 Jahren aus, sind Sie dann noch dabei?
Ich bin jetzt 53, also 10, 15 Jahre arbeite ich hier auf jeden Fall noch. Und wenn sie mich fragen, in 30 Jahren, für einen Tag in der Woche, das würde ich schon noch machen.


von Manuel Heckmair

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