U-Bahn-Schläger: Einzelfälle oder Dauergefahr?
Seit heute müssen sich zwei Männer aus dem Kosovo vor dem Landgericht I wegen versuchten Mordes verantworten. Die Angeklagten sollen einen jungen Mann an einem U-Bahnhof fast getötet haben. Ein Fall unter vielen. Nimmt die Gewalt in München zu?
“Prozessauftakt gegen U-Bahnschläger”, “Wegen einer Zigarette fast totgeprügelt”, “Wer traut sich noch in die U-Bahn?” - so oder so ähnlich werden die Schlagzeilen in den morgigen Zeitungen lauten. Die Medien stürzen sich auf Gerichtsverhandlungen wie diese: Die beiden Angeklagten aus dem Kosovo sollen an der U-Bahn-Haltestelle Heimeranplatz einen jungen Mann fast tot geschlagen haben, weil dieser einen der Täter aufforderte, das Rauchen sein zu lassen. Ganze 13 Jahre ist diese Gewalttat jetzt her. Weil die Täter erst vor Kurzem dingfest gemacht werden konnten, wird erst jetzt verhandelt.
U-Bahn-Gewalt fast täglich in den Medien
Warum der Prozess dennoch von großem öffentlichen Interesse sein wird? Weil er exakt in die Reihe jener Artikel passt, die seit Monaten in allen Regionalzeitungen wie Abendzeitung und TZ rauf und runter laufen. Der Vorfall im Arabellapark kurz vor Weihnachten 2007, bei dem ein 77-jähriger Rentner von zwei jugendlichen Schlägern zunächst als “Scheiß-Deutscher” beschimpft und dann halb tot geschlagen wurde, bildete den Anfang dieser Reihe. Spätestens seit dem Tod Dominik Brunners an der S-Bahn-Station Solln vor gut zwei Monaten gibt es fast keinen Tag mehr, an dem nicht über die fehlende Sicherheit im Nahverkehr und die steigende Gewaltbereitsschaft von Jugendlichen berichtet wird.
Trend zur Gewalt?
Völlig klar, dass solche gewalttätigen Übergriffe streng zu verurteilen sind. Ob es sich bei den Fällen um tragische Einzelfälle oder um einen Trend zur Gewalt handelt, das ist nicht so eindeutig. Das Bild, das die Medien propagieren, lässt ein objektives Bild auf die tatsächliche Sicherheitslage im Münchner Nahverkehr nicht zu. Die Angst der Bevölkerung wird von der oft reißerischen Berichterstattung stetig geschürt.
Tatsächlich sprechen Statistiken eine andere Sprache: Die Zahl der Delikte in U- und S-Bahnen sinkt stetig. Das lässt sich aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2008 zum Thema Straßenkriminalität ableiten. Was mehr wird, ist nur die öffentliche Aufmerksamkeit.
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