U-Bahn-Schläger: Einzelfälle oder Dauergefahr?
Bayern: Sicherer geht kaum
Gerade in Bayern ist übertriebene Panikmache nicht gerechtfertigt. Die PKS weist das Bundesland als das mit den wenigsten Gewalttaten aus - mit weitem Abstand zu den übrigen Ländern. 644 Menschen wurden in Bayern Opfer von Gewalt. Im Vergleich: In Berlin ganze 3352. Damit das auch so bleibt, wird speziell in München viel getan: Die U-Bahn-Wache wurde auf 133 Einsatzkräfte aufgestockt, ab dem späten Nachmittag fährt in 70 Prozent der Züge Sicherheitspersonal mit. Jeder Waggon ist mit einem Notruf ausgestattet. Mehr als 800 Kameras überwachen die Bahnhöfe. Diese Woche weihte Verkehrsminister Martin Zeil am Hauptbahnhof die erste von 23 neuen festinstallierten Notrufsäulen ein.
Zivilcourage ist gefordert
Diese Maßnahmen können im Fall des Falles trotzdem versagen. Nicht selten geschehen Gewalttaten eben nicht nachts an dunklen, verlassenen Haltestellen, sondern tagsüber - vor Dutzenden Zeugen. Einzugreifen trauen sich nur Wenige. Auch im Fall “Dominik Brunner” waren noch andere Menschen am Bahnsteig. Gemeinsam hätten sie vielleicht eine Chance gegen die brutalen Schläger gehabt. Zu groß ist die Angst, selbst zum Opfer zu werden. Zivilcourage? Heute oft Fehlanzeige.
Mehr Mut und Zusammenhalt, das fordert jetzt auch eine neue, von Noch-Bayern-Manager Uli Hoeneß gegründete Initiative gegen Gewalt. Fußballstars wie Franck Ribéry machen sich bei der Plakataktion stark.
Öffentliche Wahrnehmung verfälscht?
Momentan wird viel über Gewaltdelikte geredet und geschrieben. Gut, wenn das zu mehr Zivilcourage führt. Schlecht, wenn nur die Angst der Bevölkerung geschürt wird und bald niemand mehr den Mut hat, die U-Bahn zu benutzen. Letztes Jahr fühlten sich laut einer von der Apotheken Umschau in Auftrag gegebenen Statistik, noch 78,7 Prozent der Deutschen in öffentlichen Verkehrmitteln sicher. Wie würde dieselbe Befragung im Moment ausfallen?
von Angelika Zahn
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