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Franz Beckenbauer

Schau’n mer mal

27. November 2009, 12:17 813 mal gelesen Keine Kommentare

Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer räumt nach 15 Jahren und 17 Titeln den Präsidenten-Thron des FC Bayern. Ein kleines Porträt der “Lichtgestalt”.

Franz Beckenbauer (c) clf

Franz Beckenbauer (c) clf

Als ganz Deutschland wie von Sinnen den Weltmeistertitel ihrer Nationalelf feiert, wandert ein Mann in sich gekehrt über den Platz. Diese Szene der WM 1990 brannte sich tief in die Köpfe von Millionen Fußballfans. Es ist die Szene, die den Menschen Franz Beckenbauer wohl am besten charakterisiert.

Sein Heimathafen

“Schau’n mer mal” - mit dieser Devise ist Franz Beckenbauer seine ganze Karriere lang gut gefahren. Der FC Bayern ist dabei immer sein Heimathafen geblieben.
Schon als 13-jähriger Schüler spielt Beckenbauer, der in Giesing aufwächst, für die Bayern. Hier wird er in den 60er Jahren groß, wird mit gerade einmal 21 Jahren zum “Fußballer des Jahres” gewählt. 427 Spiele absolviert Beckenbauer als Spieler für den Verein - gesehen hat er vermutlich Tausende.

Auch wenn er 1977 dem FC Bayern vorerst den Rücken kehrt und für Cosmos New York und den Hamburger SV spielt - irgendwann zieht es ihn doch zurück in seine fußballerische Heimat. Nach seiner Zeit als Teamchef der Deutschen Nationalmannschaft und als Trainer bei Olympique Marseille, kommt er 1994 zurück. Und wird mit nur zehn Gegenstimmen zum Präsidenten des FCB gewählt.

Beckenbauer und die Frauen

Seinem Verein bleibt er treu - im Privatleben klappt das nicht immer. Franz Beckenbauer und die Frauen, das ist ein Kapitel für sich. Fünf Kinder hat er, von drei verschiedenen Frauen. Inzwischen ist er achtfacher Großvater und zum dritten Mal verheiratet: mit Heidrun Burmester, Ex-FCB-Sekretärin, 20 Jahre jünger. Die Hochzeit war typisch Beckenbauer. Während der turbulenten WM 2006 nimmt er sich einen Tag Auszeit und tritt heimlich vor den Altar.

Der Kaiser - eine Kultfigur

Von Reportern als “Lichtgestalt” betitelt, von seinen Fans schlicht “Kaiser” genannt: Franz Beckenbauer ist Kult. Und das weiß er auch - und nutzt seine Popularität immer wieder für lohnende Geschäfte. Lange machte er für Tütensuppenproduzent Knorr Werbung. Sein “Ja ist denn heut’ scho’ Weihnachten?” aus dem O2-Spot wurde sprichwörtlich.

Den Mund hat er sich nie verbieten lassen. Was er denkt, spricht er auch aus. Und das wird auch weiterhin so bleiben: Franz Beckenbauer bleibt dem Verein als Ehrenpräsident erhalten. Ein Leben ganz ohne den FC Bayern? Das geht nicht.

 

Lesen Sie hier die besten Zitate von “Kaiser” Franz:

Franz Beckenbauer über seine Kindheit:

  • “Wir haben also dann Altpapier und Alteisen gesammelt, um zu den paar Pfennigen zu kommen, die damals ein Lederball gekostet hat. Dann haben wir endlich diesen Ball gehabt. Wir haben natürlich jeden Tag Fußball gespielt. Jeden Tag durfte ein anderer den Ball mit nach Hause nehmen und musste ihn dann einfetten.”

Franz Beckenbauer über seine Zeit als Spieler:

  • “Es war nicht die Hand Gottes, sondern die Watschn eines Sechzigers.” (über die Beweggründe, warum er 1958 als 13-Jähriger nach der Ohrfeige eines “Löwen”-Spielers zum FC Bayern und nicht zum TSV 1860 wechselte)
  • “In einem Jahr hab ich mal 15 Monate durchgespielt.”

Franz Beckenbauer als Trainer:

  • “Ich bin immer noch am Überlegen, welche Sportart meine Mannschaft an diesem Abend ausgeübt hat. Fußball war`s mit Sicherheit nicht.” (Nach einer Niederlage des FC Bayern München)
  • “Damals hat die halbe Nation hinter dem Fernseher gestanden.” (über das WM-Finale 1990)
  • “Geht`s raus und spielt`s Fußball.” (Taktische Anweisung)
  • “Kaiserslautern wird mit Sicherheit nicht ins blinde Messer laufen.”

Franz Beckenbauer über sich selbst:

  • “Da ist man ein bisschen stolz, weil man auch etwas dazu beigetragen hat. Als Spieler, als Trainer, als Präsident und was weiß ich nicht noch was.” (über die Entwicklung des FC Bayern in den letzten 50 Jahren)
  • “Ich würde mich als Gelegenheitsarbeiter bezeichnen.” (auf die Frage nach Beckenbauers genauer Berufsbezeichnung)
  • “Ich habe mal einen Stammbaum machen lassen: Die Wurzeln der Beckenbauers liegen in Franken. Das waren lustige Familien, alles uneheliche Kinder. Wir sind dabei geblieben.”

Franz Beckenbauer über Spieler und Kollegen:

  • “Er bläst zwar wie ein Blasengel, aber das ist normal.” (über den ehemaligen Bayern-Kapitän Stefan Effenberg)
  • “Stell Dir vor, der zieht wirklich mal richtige Fußball-Schuhe an.” (über das rosafarbene Schuhwerk von Bayern-Spieler Franck Ribéry)
  • “Lothar und ich hatten auch Meinungsverschiedenheiten. Ich hab mich immer durchgesetzt. Gott sei Dank, die Erfolge sprechen für sich.” (über die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Spieler Lothar Matthäus)

Franz Beckenbauers Weisheiten über den Fußball:

  • “Ja gut, am Ergebnis wird sich nicht mehr viel ändern, es sei denn, es schießt einer ein Tor.”
  • “Ja gut, es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage.”
  • “Der Grund war nicht die Ursache, sondern der Auslöser.”
  • “Wenn man die Fan-Feste sieht, ist es so, wie es sich der liebe Gott vorgestellt hat.” (über die WM 2006)
  • “Die Schweden sind keine Holländer, das hat man ganz genau gesehen.”
  • “Es gab eine ganze Reihe von Spielen, die hätten nicht im Stadion stattfinden sollen, sondern auf dem Sandplatz nebenan.” (über das Niveau der WM 1998 in Frankreich)
  • “Das sind alles gute Fußballer. Nur: Sie können nicht Fußball spielen.”

Quelle: dpa

 


von Angelika Zahn
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