Stadtteile im Kampf mit Oktoberfest
Neuhausen fordert den verkaufsoffenen Sonntag. An diesem Donnerstag diskutierten Anwohner mit Vertretern der bayerischen Landtagsparteien. Dabei zeigten die Politiker nicht nur Sympathie, sondern auch überraschende Meinungseinheit.

Sonntagseinkäufer (hier auf dem Viktualienmarkt). Auch Neuhausens Bürger fordern einen verkaufsoffenen Sonntag in ihrem Viertel (Foto: Dieter Kasimir)
Urban Hilgers ist sauer, und mit ihm die Ladenbesitzer Neuhausens: der Stadtteil bekommt keinen verkaufsoffenen Sonntag. Was selbst in den kleinsten Gemeinden in Bayern möglich ist bleibt dem Viertel verwehrt. Der Grund: Neuhausen liege nicht zentral genug.
Die Bayerischen Städte und Gemeinden können vier verkaufsoffene Sonntage gewähren - so sieht das das Bayerische Ladenschlussgesetz vor. In München gilt dies effektiv nur für die zentral gelegenen Stadtteile, deren Kaufkraft dank Tourismus und Einwohnerdichte am stärksten ist. Für den Stadtteil Neuhausen trifft dies nicht zu. Dabei ist das Viertel mit seinen 90.000 Einwohnern die zehntgrößte Gemeinde Bayerns. Die Folge: An offenen Sonntagen kaufen Neuhausens Bewohner in der Innenstadt oder auf kleinen Festen im Umland ein, der örtliche Einzelhandel hat das Nachsehen.
Ein besonderer Stein des Anstoßes: Zwei der vier verkaufsoffenen Sonntage kommen während des Oktoberfests allein der Innenstadt und der Theresienwiese zu Gute. Die anderen Stadtviertel bekommen aber keine Ausweich-Sonntage zugesprochen: Die Vierer-Regelung gilt für die gesamte Stadt, auch wenn nur einzelne Bereiche effektiv von den Marktsonntagen profitieren.
Überraschende Einigkeit bei Landespolitik

Die Landtagsvertreter der Podiumsdiskussion. V.l.n.r.: Tobias Thalhammer (FDP), Dr. Michael Piazolo (FW), Margarete Bause (Grüne), Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) und Isabell Zacharias (SPD)
Hilgers und die Werbegemeinschaft Rotkreuzplatz e.V. reichten deshalb bereits vor zehn Monaten eine Petition an die Stadt München ein. Doch diese blieb ohne weiteren Folgen. Deshalb lud der eingetragene Verein am Donnerstag fünf Vertreter der im bayerischen Landtag vertretenen Parteien in das Café des Theaterzelt “Das Schloss” ein, um in einer offenen Podiumsdiskussion mit den Politikern über die Problematik zu sprechen.
Dabei zeigten die Landtagsverteter nicht nur durchgängig Sympathie mit der Problematik der Neuhausener, sondern waren am Ende einhellig einer Meinung. Zwar darf, wie es Kultusminister Spaenle ausdrückte, die Heiligkeit des Sonntags gerade in Bayern nicht angetastet werden, was aber auch keiner der Anwesenden forderte. Doch könne die unfaire Regelung der verkaufsoffenen Sonntage in München so nicht bleiben.
Das Thema Ladenschlussgesetz muss demnächst im Landtag besprochen werden, darüber war sich die Mehrheit der Anwesenden Politiker einig. Wenigstens muss innerhalb des bestehenden Gesetzes mehr Flexibilität geschaffen werden, damit der Einzelhandel konkurrenzfähig bleiben kann. Die Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage wird allerdings auf keinen Fall angetastet.
Hoffnung für Neuhausener Läden?
Für den Fall München konnten die Politiker allerdings nichts versprechen: Wie die bestehende Regelung ausgelegt wird liegt allein in den Händen der Stadt. SPD-Landtagsabgeordnete Isabell Zacharias versprach der Diskussionsrunde aber, mit ihren Parteigenossen im Stadtrat auf jeden Fall über die Thematik zu sprechen.
Tobias Thalhammer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP, empfahl der Werbegemeinschaft Rotkreuzplatz ihre Petition vom Vorjahr erneut der Stadt vorzulegen. Immerhin sei bereits die neue Legislaturperiode angebrochen, das alte Anliegen kann also bereits neu vorgelegt worden. Die Neuhausener verließen die Diskussionsrunde also hoffnungsvoll: Es scheint sich in ihrem Anliegen etwas voranzubewegen.
von Sebastian Sponsel
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- Zum Nachlesen: Die Münchner Ladenschlussregelung











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