Steuersenkung kommt nicht bei Mitarbeitern an
Mehrwertsteuer senken - klingt doch gut. Dennoch stößt das Gesetz zur Wachstumsbeschleunigung auf jede Menge Widerstand. Was die Münchener Hotels wirklich mit den Mehreinnahmen machen.
Schnittblumen, Zeitungen und Rollstühle haben eines gemein: Auf alle drei Produktgruppen erhebt der Staat nur sieben statt der üblichen 19 Prozent Mehrwertsteuer. Bald reihen sich Hotelübernachtungen in diese Riege ein. Ab Januar soll auch hier der ermäßigte Mehrwertsteuersatz gelten. So will es zumindest das Wachstumsbeschleunigungsgesetz der Bundesregierung.
Gewerkschaften laufen Sturm
„Sinnloses Weihnachtsgeschenk” wettern jetzt die Gewerkschaften und laufen Sturm gegen die Pläne von Schwarz-Gelb. „Prinzipiell unterstützen wir die Senkung der Mehrwertsteuer - aber nicht in der jetzigen Form”, sagt Freddy Adjan, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) für die Region München. „Die Mehreinnahmen von einer Milliarde Euro nutzen weder Beschäftigten noch Gästen.” Adjan befürchtet, dass der Großteil der Gelder ohne eindeutige Regelungen in die Taschen der Hotels fließt.
Auch Münchener sind gegen Mehrwertsteuersenkung
Auch bei den Münchnern stoßen die Pläne auf Gegenwehr. Dietmar Wasenitz hält nichts von der Mehrwertsteuersenkung für Hotelübernachtungen: „Bei den Gästen wird davon nichts ankommen.” Elisabeth Huber ist sich ebenfalls sicher: „Das sind doch alles Wahlgeschenke, mit denen die Hotels vielleicht Renovierungsmaßnahmen finanzieren. Die Mitarbeiter werden aber sicher nicht davon profitieren.”
Und die Münchener liegen nicht falsch mit dieser Einschätzung. Einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) unter 5700 Unternehmern zufolge planen die Hoteliers knapp 60 Prozent des Mehrwertsteuervorteils für Investitionen und die Verbesserung des Betriebsergebnisses ein. Nur gut 40 Prozent sollen Mitarbeitern und Gästen durch Lohnerhöhungen beziehungsweise Preissenkungen zugute kommen.
Keine Lohnerhöhungen geplant
Christine Stöhr, Geschäftsführerin im Hotel Schlicker, gibt zu: „Die Mitarbeiter im Hause werden bei uns nicht unmittelbar von der Steuersenkung profitieren. Auch Preissenkungen sind nicht geplant.” Stattdessen fließe das Geld vor allem in Renovierungsmaßnahmen, Mitarbeiterschulungen und neue Arbeitsplätze.
Stefan Grosse leitet das Hotel Blauer Bock und kann die Kritik der Gewerkschaften nicht nachvollziehen: „Ich verstehe die Gewerkschaften nicht. Die Mehrwertsteuersenkung ist doch auch eine arbeitsplatzerhaltende Maßnahme. Insofern kommt sie den Mitarbeitern sehr wohl zugute.” Gesetzliche Vorgaben, die den Verwendungszweck vorschreiben, würden dagegen einen Personalabbau zur Folge haben.
Wenn die Politik nicht doch noch einknickt, werden sich Münchner Hotelgäste also auch in Zukunft nicht über niedrigere Preise freuen können.
von Tessa Ranzau
Mehr im Internet
- Die Dehoga-Studie: Umfrage unter Hoteliers und Gastronomen












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