Organisator in Polizeigewahrsam
250 Teilnehmer, 75 Kilometer Absperrband: Spontankünstler haben am Mittwochabend die Kreuzung vor dem Haus der Kunst abgeriegelt. Der Kopf der Gruppe wurde verhaftet.
Punkt 18.22 Uhr versammelten sich 250 Flashmobber im Hofgarten. Nach einer kurzen Vorübung ging es zum Haus der Kunst. Dort schmückten die Teilnehmer die Kreuzung Altstadtring/ Prinzregentenstraße mit 75 km Flatterband ab - friedlich und in bester Laune. Ganze vier Minuten kam der Verkehr zum Erliegen. Sicherlich nicht die langweiligsten vier Minuten der anwesenden Zeugen. Aber entschieden zu lange für die Ordnungshüter.
Organisator Benjamin David (33) wird beim zweiten Flashmob in diesem November von der Polizei festgenommen. Der Vorwurf: Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Kunst erschließt sich nicht jedem, dass ist nun wieder einmal aufs Neue bewiesen.
Das Projekt
Die Aktion bildet den improvisierten Teil des Spielart Theater-Festivals (19.11. - 5.12. 2009), organisiert von den Urbanauten und unterstützt vom Kulturreferat der Stadt München. Das Projekt “Moments of Starlings” besteht aus mehreren so genannten Schwärmen. Diese finden im öffentlichen Raum statt, Zuschauer und im Vorfeld registrierte Teilnehmer werden zu “Schauspielern”.
Die Urbanauten haben das Prinzip der herkömmlichen Flashmobs zu ihren “Schwärmen” weiterentwickelt. Der Vorteil liegt in der Mobilität. Während eines Happenings können die Akteure ihre Standorte flexibel verändern. Die Befehle werden per SMS versendet. Und auch wenn es für den Laien schwer erkennbar ist: Das Projekt ist ein performatives Theaterstück! Eine große Show. Mit den Bürgern und für die Bürger. Die jeweils geplanten Abläufe werden sogar im Voraus besprochen, die Gründe des menschlichen Schwarmverhaltens hinterfragt. Es geht also um Kunst. Und um Verhalten und Dynamik innerhalb von Gruppen. Aber nicht auch noch um mehr?
Verhaftet und angezeigt
Ungeachtet der höheren Ziele der Veranstalter brachte ein Einsatzwagen Benjamin David auf direktem Weg von der Straßensperre zur nächsten Polizeistation. Über zwei Stunden musste der Urbanaut den Beamten Rede und Antwort stehen, dann durfte er wieder nach Hause. Es bestand keine größere Gefahr für Autofahrer oder Fußgänger. Dennoch muss sich David jetzt mit einer Anzeige wegen “Anstiftung zur Nötigung” herumschlagen.
Dabei steht eines fest: Flashmobber muss man zu nichts zwingen. Sie melden sich für die Happenings an, sie wollen dabei sein. Kurz vor Beginn der Aktionen wird der jeweilige Treffpunkt verbreitet - meist mittels SMS. Und dann kommen sie, in Scharen, um Teil eines öffentlichen Kunstevents zu sein. So wie am Mittwoch, beim “schwarm 02″.
Walzer vor US-Konsulat
Trotz der Verhaftung des Hauptorganisators schwärmten die Münchner weiter. Nach dem Eklat vor dem Haus der Kunst, ging es in der Haupthalle des Museums weiter. Beim spontanen “Sleep In” legten sich alle schlagartig auf dem Boden nieder, um in einen komatösen Schlaf zu fallen. Zum krönenden Abschluss des Happenings tanzten sie noch einen flotten Walzer - vor dem US-Konsulat.
Die Urbanauten
Die Urbanauten setzen sich für einen grundlegenden Diskurs über die Gestaltung und Funktion der öffentlichen Räume im schönen München ein. Ein Thema, dass alle betrifft. Die Performance-Künstler wollen unseren Lebensraum verbessern und neue Perspektiven aufdecken. Darüberhinaus beschäftigen sie sich mit Grundsätzlichem: Videoüberwachung und Demonstrationsverbot? Privatisierung? Kunst und Kommerz? Verfall des öffentlichen Lebens? Enstanden ist die Gruppierung 2002 - als ein Debattierclub.
von Annika Mader
Mehr im Internet
- Mehr: Infos rund um die Urbanauten gibts hier.
- Mitmachen: Werden Sie Teil des nächsten Schwarms am 3. Dezember.
- Gut zu wissen: Alles über Flashmobs.














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